Die Diakonissen und die Kindersärge (MDR)

Dokumentation über den Mord an 300 angeblich behinderten Kindern in einer christlichen Einrichtung. Angehörige der Inneren Mission (Vorläuferin des Diakonischen Werks) der Evangelischen Landeskirche in Thüringen praktizierten “Euthanasie” sogar trotz der Proteste der NS-Machthaber – aus purer Gewinnsucht. Um Pflegesätze und für den Schwarzmarkt Lebensmittel kassieren zu können für Kinder, die die frommen Diakonissen schon längst erschlagen hatten oder im “Sterbezimmer” verhungern ließen.

Der Pressetext des MDR:

Der Filmbeitrag von Uwe Sauermann und Mark Lämmchen dokumentiert Spurensuche und Geschichtsaufarbeitung in einem Diakonissenheim in Bad Blankenburg, dem “Anna-Luisen-Stift”. Dort sollen zahlreiche behinderte Kinder umgekommen sein. Die jetzige Leitung des zum Diakonischen Werk gehörenden Heims hat nachgeforscht und ist auf erschreckende Details gestoßen. .

Beginn der Schreckensgeschichte

Bad Blankenburg, eine Kleinstadt im Thüringer Wald, vierzig Kilometer von Weimar entfernt. Zur Hundertjahrfeier des Anna Luisen-Stiftes am 31. Oktober 2001 wartet die Heimleitung mit Dokumenten auf, die bestätigen, was vorher nur Gerücht war: In dem Heim ist es zwischen 1920 und 1945 zu Misshandlung und Mord an hunderten Kindern gekommen.

Verwaltungsleiterin Katja Wennrich stößt bei den Vorbereitungen zur 100-Jahr-Feier auf einen “vergessenen” Stapel Sargrechnungen. Damit ist der Anfang zu einer aufwändigen Recherche gemacht. Für die Aufarbeitung der Geschichte wird eigens eine ABM-Kraft, Babette Hensel, eingestellt, die jedem Hinweis auf das Verbrechen nachgehen soll.

Akten-Puzzle und Zeugenberichte

Doch die Beweislage ist dünn: Die meisten Akten sind vor Kriegsende vernichtet worden, Zeugen, sowie Nachbarn oder Verwandte von Kindern, die in dem Heim starben, sind schwer zu finden. Besuche im Thüringischen Staatsarchiv sind erfolglos: Die Zustände im Heim 1945 sind in den Akten nicht überliefert. Auch im Bundesarchiv, das nahezu alle Patientenakten von medizinischen Einrichtungen und Pflegeheimen des Dritten Reiches gesammelt hat, ist nichts vorhanden. Im Hauptstaatsarchiv Weimar ist die Aktenlage lückenhaft. Doch anhand von alten Sarg-Rechnungen, Sterbeurkunden, ärztlichen Berichten und Briefen sowie Protokollen im Archiv des Diakonischen Werks können die schrecklichen Ereignisse im Heim rekonstruiert werden.

Die Motive

Die Nachforschungen ergeben, dass bei den leitenden Schwestern, Ida Cyliax und Frieda Lätzsch, keineswegs ideologische Gründe, etwa das Euthanasie-Programm der Nationalsozialisten, im Vordergrund standen. Sie handelten aus eigenem egoistischem Antrieb: Dabei wurde ökonomische Gewinnsucht über das Leben der Kinder und Säuglinge gestellt, die sie misshandelten, sich selbst überließen, verwahrlosen und sterben ließen.

Der Verrat der Kirche: Im Schutz der “Inneren Mission”

Bereits in den 20er Jahren war die Sterblichkeitsrate in dem Heim bedeutend höher als in anderen Pflegeeinrichtungen. Zeugenaussagen bestätigen die Misshandlung der Kinder. Eine Untersuchung nach der Evakuierung des Heimes im Jahre 1941 bringt den entsetzlichen Zustand der Kinder ans Tageslicht. Der untersuchende Arzt, Dr. Kloos, dessen Anstalt in Stadtroda selbst an den von den Nazis eingeführten Euthanasie-Maßnahmen beteiligt ist, fordert die Absetzung der Leiterinnen. Doch nichts passiert. Selbst NSDAP-Amtsträger klagen gegen das Heim. Doch die Innere Mission schützt das Stift – sie will ihren kirchlichen Einfluss nicht verlieren -, und nicht zuletzt hängt sie an der Immobilie, erwirtschaftete das Stift unter den Schwestern doch Gewinne – umgerechnet etwa 600.000 EURO. Der jetzige Pressesprecher der Nachfolge-Institution “Diakonisches Werk” versucht so, die Handlung seines Großvaters, Pfarrer Gerhard Phieler, zu erklären. Dieser war damals Leiter der Inneren Mission in Thüringen.

Eine wichtige Rolle bei der Verteidigung der beiden Schwestern spielte der Kreisarzt und Hausarzt des Heimes, Dr. Köhler. Er profitiert anscheinend vom Schwarzmarkthandel der Schwestern – und deckt den furchtbaren Zustand der verhungerten Kinder, die ohne Pflege, von Läusen und Krätze gequält, umkamen. Fazit: Nachweislich sind 300 Kinder und Säuglinge von den Diakonissen umgebracht worden. Nach ihren Gräbern sucht man vergebens. (Text: MDR)

Dazu auch Wikipedia. Der Eintrag ist nicht ganz korrekt, aber der Inhalt eines 45-minütigen Films kann schwerlich in ein paar Zeilen wiedergegeben werden.